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Die Nachtfräulein des Urschelbergs 3

  Mündlich aus Reutlingen von einer alten Frau, deren »Guk-Ehne« diese Geschichte erlebt hatte

Im Urschelberg bei Pfullingen lebten vor langer Zeit drei »verwunschene Fräulein«, die kamen im Winter alle Abend in das Haus eines armen Mannes mit ihrer Spindel und spannen daselbst von sieben bis elf Uhr, redeten aber nicht ein einziges Wort. Für das Licht, welches sie gebrauchten, legten sie dem Mann jede Woche zwei Kreuzer stillschweigend hin und entfernten sich dann. So waren sie schon zwei Winter lang in das Haus gekommen. Der Mann versuchte es oft, ein Gespräch mit ihnen anzuknüpfen, klagte ihnen wohl seine Not, da er sehr arm war, erhielt aber niemals eine Antwort. Da geschah es an einem Abend, dass dem einen Fräulein der Faden brach.

Da sprach sie: »Pfitzede pfitz, der Faden ist broche!«

Darauf sagte die Zweite: »Pfitz’en wieder z’sämen, so ist er wieder pfaatz!« (ganz)

Die Dritte aber sagte: »Hat nicht der Vi-Vater g’sait, sollest nit fätze!« (Andere sagen, es heiße: »Wann der Vi-Vater kommt, sollest nit bätze!« d. i. schwätze.)

Am anderen Morgen stand vor dem Haus des armen Mannes ein Sack voll schöner Frucht und oben drauf lag auch noch Geld. Die drei Fräulein aber sind nicht wiedergekommen.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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