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Die Nachtfräulein des Urschelbergs 2
Eine mündliche Überlieferung aus Pfullingen
Die Nachtfräulein kamen sehr regelmäßig im Winter zu dem Provisor Hans Marte in Pfullingen und spannen dort in der Lichtkarz. Da entstand teure Zeit und der Mann klagte einst über Kornmangel, worauf die Nachtfräulein sagten: »Wir wollen den Vi-Vater fragen.«
Als sie am folgenden Abend wiederkamen, sagten sie: »Der Vi-Vater wolle ihm Korn leihen. Er solle es nur da und da abholen. Allein nach der Ernte müsse er es zurückgeben. Nur dürfe er am Sonntag nichts mit dem Kornfeld vornehmen. Indes besah der Mann das Korn öfters am Sonntag. Deshalb wollten sie es später nicht nehmen. Es sei zu leicht, weil er es am Sonntag besehen habe, sagten sie, und seitdem sind sie weggeblieben.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
