Das Geheimnis des glühenden Mannes
aus Engelgau
Ein Siebzigjähriger erzählte ein Erlebnis aus seiner Militärzeit:
Ich kam in Urlaub und musste durch einen Wald zu meiner Heimat. Ein abkürzender Fußpfad war sehr verrufen, es hieß, dort ging nachts ein glühender Mann um. „Ei“, dachte ich, „du bist Soldat und hast einen Säbel an der Seite und brauchst nicht bange sein.“ So schlug ich den Fußpfad zum Dorfe hin ein. Plötzlich erblickte ich den Feuermann; er stand ganz regungslos da. Ich schritt furchtlos darauf zu, und was war es? - Ein Baumstumpf, dessen Kuppe ganz faul war und im Mondlicht glühte. So hatte ich das Geheimnis des glühenden Mannes entdeckt.
Damals waren die Leute noch sehr abergläubisch. Wenn sie etwas Ungewöhnliches sahen, so untersuchten sie die Sache nicht. Jetzt kommt so etwas nicht mehr vor; die Leute glauben nicht mehr an Geister und Gespenster, und wo Auffälliges ist, da schauen sie zu, was es ist.
Quelle:
- Gottfried Henßen: Sagen, Märchen und Schwänke des Jülicher Landes, 1955, Nr. 219
