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Die Todtenlinde bei Uhyst am Taucher
Sammlung von Schön No. 50. Msc.
Vor dem Schlosse zu Uhyst stand sonst eine sehr große alte Linde, welche man die Mord- oder Todtenlinde hieß und die noch in dem Andenken des Volkes weiter lebt. Unter derselben hatten sich einst zwei Bewerber um die Liebe der schönen Töchter des Gutsherrn im gegenseitigen Zweikampfe tödtlich verwundet. Die traurige Geschichte ist in einem Volksliede besungen, welches in den wendischen Liedern von Haupt und Schmaler Th. 1. No. 8. S. 37 mitgetheilt ist:
Dort oberhalb Uhyst am Taucher dort
Steht eine Linde grün,
Und unter der Linde da sitzt die Maid,
So lieblich weiß und roth.
Es kamen die Ritter geritten zu ihr,
Reiter und Edelleut',
Sie kamen geritten, geritten zu ihr,
Bis sich entspann der Streit.
Gerathen sind dort in harten Streit
Zwei junge Edlinge,
Gehauen, gestochen haben sich dort
Zwei junge Edlinge.
Den einen den bieben sie über die Wang',
Wohl über die Wange roth;
Den andern den hieben sie über das Haar,
Wohl über das lodige baar.
Und alles das ist um Dich gescheh'n,
Du liebliches Mägdelein.
Wie konnte das Alles um mich gescheh'n,
Da ich dabei nicht war?
Und warst du dabei oder nicht dabei,
Den Rath den gabst du doch,
Am Tisch dort sitzend im Schänkenhaus,
Am hellen Fensterlein.
Das Mägdlein hatte der Schürzen zwei,
Von Serge beide weiß,
Zu Pflastern zerschnitt sie die eine dort,
Die andere zu Binden lang.
Den Liebsten, den wollte sie salben gut,
Den allerschönsten Schatz.
Mein Mägdlein, salb’ oder salb' mich nicht,
Wir werden unser nicht.
Gedenken, gedenken wirst Du an mich,
Wenn sie mich schmücken bald,
Mich schmücken, ja schmücken mit weißem Kleid
Und mit dem Rauten-Kranz.
Anmerkungen: Vgl. über Uhyst Th. I. No. 312.
Quelle: Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862
