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Christoph von Gersdorf zu See
Mündlich. Schön's Handschrift. Knauth's Kirchengeschichte S, 210.
Außerhalb an der Morgenseite der Kirchmauer zu See bei Niesky ist das in Stein erhaben eingehauene Bild des Christoph von Gersdorf auf See und Baruth (gestorben am 29. März 1589), auf seinem Leichensteine zu sehen. Der edle Herr ist dargestellt, wie er im Harnisch, den Helm neben sich, die Hände auf der Brust zusammengefaltet auf den Knieen liegt.
Beim Beginn der Kirchen-Reformation ist dieser Gersdorf anfangs ein großer Eiferer dagegen gewesen, hat Luther's Namen gar sehr beschimpft und geschändet und immerfort behauptet, der Erzketzer müsse durchaus verbrannt werden und er selbst wolle das Holz dazu nach Wittenberg liefern.
Da ist er denn eines Tages mit seinem Förster in den Wald gegangen und hat das Holz zu Dr. Luther's Scheiterhaufen anzeichnen lassen. Aber was geschieht? Wie der erste Baum angeschlagen wird, zieht plötzlich ein grausames Wetter herauf mit Donnern und Blitzen, und schlägt immer rechts und links über ihnen ein, so daß sie ganz und gar im Feuer stehen. Darüber erschrickt der Förster gar sehr und spricht zu dem Herrn: „Gestrenger Herr Ritter, haltet zu Gnaden, ich meine, der Weg ist wohl nicht gut, den wir heute gehen.“
Da ist es dem Christophen von Gersdorf durch's Herz gegangen und ist niedergefallen auf seine Kniee, hat den Helm neben sich gelegt und den lieben Gott wegen seines Gebarens demüthig um Vergebung und Gnade gebeten. Ward nachfolgends aus dem Saulus ein Paulus, verehrte den Luther sehr hoch und beförderte das heilsame Werk der Reformation so eifrig bei seinen Unterthanen, wie er ihm vorher entgegen war. Als aber sein seliges Ende herannahte, verordnete er, daß man ihn in der Stellung abkonterfeien sollte, in der ihm dazumal sein ganzer Sinn umgewendet und seine Seele erleuchtet worden war.
Anmerkungen: Ein Seitenstück zu dieser Bekehrung: Die Oberlausitz und besonders Görlitz ergriff das Evangelium mit fast beispiellosem Eifer. Macht und Freiheit, Bildung und Reichthum der Stadt, Studien der Görlitzer in Wittenberg, lästerliches Leben der Görlitzer Pfaffen, Tetzel's ärgerlicher Ablaßkram daselbst und manches Andere sind die Ursachen. Indeffen blieb der Rath der Stadt lange Zeit der katholischen Kirche getreu und versuchte 1523 eine Art Gegenreformation, indem er den Magister Zeidler aus Breslau, der sich daselbst als großer Eiferer wider Luther verhaßt gemacht hatte, nach Görlitz berief. M. Zeidler unternahm vor seinem Amtsantritt eine Reise nach Franken. Unterwegs kam er an einer Wiese vorüber, wo eine arme Bauersmagd Gras mähte und dazu deutsche evangelische Lieder sang. Dies ergriff ihn so gewaltig, daß er von Stund an ein eifriger Freund der evangelischen Lehre wurde und völlig befehrt nach Görlitz zurückkam. „Ich erkannte daraus,“ sagte er selbst zum Rathe, „daß auch die armen Dienstmägde das Evangelium des Herrn empfangen, wüßte auch jetzt nicht mehr davon abzustehen. Ich kann jetzt Niemand mehr zu St. Nikolaus oder St. Katharina, sondern allein zu Christo weisen.“ ( Theod. Neumann, Gesch. der geistlichen Administratur des Bisthums Meißen in der D. L. N. L. Mag. Bd. 36. S. 268.)
Quelle: Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862
