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Ruland
Frenzel, nomencl. in script. II. 55. Lex, slav. III. 3092. msc.
I.
Ruland hat früher Rugeland geheißen und ist daselbst das Ruge- oder Rügefeld gewesen, allwo man zusammenkommen, Rüge, d. i. Gericht zu halten.
II.
Viele meinen, das Städtlein führe seinen Namen von Roland, dem tapferen Paladine Karls des Großen, der in diesen Gegenden die Heiden bekämpft und das Christenthum mit Feuer und Schwert eingeführt habe.
Anmerkungen:
Ueber Roland und die Rolandsbilder sind neuerdings eingehende Forschungen angestellt worden. Dr. Zöpfl in Karlsruhe widmet diesem Gegenstande den ganzen dritten Band seiner „ Alterthümer der deutschen Reichs und Rechts.“ Er behauptet, diese Rechtssymbole kämen nur im Verbreitungsgebiet des niedersächsischen Stammes vor, ihre südliche Grenze sei Halle. Dies ist nach No. 11, 12, 90 zu berichtigen. Der Budissiner Dutschmann (No. 90) ist nichts anderes als ein Rolandsbild. Zöpfl schreibt übrigens Ruland, nicht Roland und leitet das Wort ab vom „rothen Lande“, der Blutgerichtsstätte.
Dieser Erklärung gegenüber dürfte die obige deshalb vorzuziehen sein, weil die Rolande keine criminals, sondern civilgerichtiiche Wahrzeichen gewesen zu sein scheinen. Etwas abenteuerlich klingt die im Magazin f. d. Literatur der Auslandesa 1862, No. 12 auf gestellte Ableitung von Hródland = Ruhm des Landes, welches der Beiname irgend eines Sachsengottes, deo Tyr oder Saxenot gewesen sein tönnte. Daß die Bilder Götterbilder seien, ist mir allerdings auch wahrscheinlich und der Held Roland sicherlich eine mindestens zur Hälfte mythische Figur.
Quelle: Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862
