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Der Dutschmann in Budissin
Gräve S. 110.
Auf dem zu Budissin am Markte bei der Rathswaage befindlichen Wassertroge steht ein steinernes Standbild. Es stellt einen bewaffneten Mann in Römertracht mit einem starken Barte vor, welcher in der rechten Hand eine Fahne hält, in dem linken Arme einen Schild mit dem Budissiner Stadtwappen trägt und an der Seite mit einem kurzen Schwerte bewaffnet ist. Unter Deutschen und Wenden heißt diese Figur der Dutschmann.
Sie sagen, es sei einmal ein wendischer Fürst gewesen, der habe mit seinem Pferde über den Wasserkasten hinwegsetzen wollen, sei aber sammt diesem hineingestürzt und ertrunken. So sagen die Deutschen. Die Wenden dagegen behaupten, er sei nicht ertrunken, sondern er habe über den Kasten hin weggesetzt und zur Erinnerung habe man sein Standbild dort aufgestellt.
Alte Chroniken aber erzählen, es sei Held Roland, der zu Karls des Großen Zeiten die Heiden und Wenden besiegt und bekehrt habe.
Quelle: Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862
