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sagen:sagenbuchlausitzii-085

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Die St. Michaeliskirche zu Budissin

  Bud. Chron. Msc. Sammlung der Breslauer Lusatia No. 22. msc. 
  Ziehnert III. No. 101.

Im Jahre 1430, als Hans Schwerdtfeger Bürgermeister zu Budissin war, kamen die Hussiten und verwüsteten Alles ringsherum in dem Stadtgebiete. Es rief der Landvoigt, Hans von Polenz, den Herzog von Meißen um Hilfe an, und dieser schickte 12,000 geharnischte Männer, die lagerten sich auf der Wiese vor Budissin dem Gerichte gegenüber und weiter hinaus bis auf eine halbe Meile weit. Neben der Wiese schlugen die von Budissin mit denen vom Lande ihre Lager und ihre Wagenburg auf. Der Landvoigt aber lag mit seinem Troß den Meißnern gegenüber.

So lagen sie alle fünf Tage lang stille und die Hussiten wagten keinen Angriff auf die Stadt. Aber die von Budissin wollten sich nicht an die Hussiten wagen und das Meißen'sche Kriegsvolk, welches sich auch trefflich fürchtete, erhob sich in aller Stille bei nächtlicher Weile und zog ab. Die Hussiten aber zogen beran und berennten die unbeschützte Stadt, die dadurch in große Noth gerieth.

Doch wen die Menschen verlassen, den beschützt Gott. So geschah es auch hier. Denn man sahe da leibhaftig den heiligen Erzengel Michael mit seinem Schwerte auf den Mauern und unter dem Kriegsvolke. Hier flößte seine Erscheinung Muth und dort Schrecken ein, und als ein Pfeil den Hauptmann der Hussiten tödtlich getroffen hatte, machten sie sich wieder auf, gingen zurück über das Gebirge und ließen die geängstete Stadt frei.

Zur dankbaren Erinnerung an diese himmlische Hilfe erbauten die Einwohner alsbald zu Ehren des Erzengels Michael eine Kirche und es wurde verordnet, für diese Errettung aus den Händen der grausamen Hussiten alljährlich eine feierliche Prozession zu veranstalten, ein Hochamt zu halten und das Tedeum zu singen.

Anmerkungen: Vgl. Th. I. No. 357. Anm.

Quelle: Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862


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