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Der Geldkeller auf dem Löbauer Berge - Vierte Sage
Nach einer andern Sage öffnete sich der Geldkeller allemal am Johannistage Mittags zwölf Uhr, um sich des Nachts wieder um dieselbe Stunde zu verschließen. Am Johannistage 1516 hatte ein Bauer das Glück, den Eingang geöffnet zu finden, er ging hinein und erblickte mit offenen, nüchternen Augen den unermeßlichen Schatz. Zuerst unschlüssig, was er thun oder lassen sollte, entschloß er sich endlich, seine Taschen und Mütze zu füllen und belastet mit der köstlichen Beute den Rückweg anzutreten. Allein in der Trunkenheit seines Glückes verirrte er sich in den Kreuzgängen und die verhängnißvolle Stunde, mit welcher sich der Eingang schloß, ertönte. Furchtbare Finsterniß umgab ihn. Niemand hörte seine Klagen. Verzweiflungsvoll warf er sich zu Boden. Da versank er in einen tiefen Schlaf, aus welchem er erst das kommende Jahr am Johannistage wieder erwachte; Taschen und Mütze fand er zwar leer, aber die Freiheit war ihm lieber als alle Schätze der Erde.
Quelle: Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862
