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sagen:sagenbuchlausitzi-161

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Das Kirchhofgespenst

  Breslauer Handschrift No. 17.

Auf dem Kirchhofe zu Meffersdorf zeigt sich zuweilen ein Gespenst, das hat seine Wohnung in einer Gruft an der nördlichen Mauer. Also geht einmal der Nachtwächter früh um vier Uhr auf den Kirchthurm zu, um den Tag einzuläuten. Es ist aber noch ganz dunkel gewesen und der Himmel voll Wolken. Da steigt auf einmal aus seiner Gruft das weiße Gespenst herauf, naht sich dem Nachtwächter und bedeutet ihn, es wolle denselbigen begleiten. Da ist natürlich an Widerspruch nicht zu denken und das Gespenst geht richtig mit ihm auf den Thurm. Als der Nachtwächter sein Geschäft beendet hat und wieder auf dem Kirchhofe angelangt ist, da murmelt das Gespenst mit dumpfer Stimme: „Und nun begleite Du auch mich.“ Aber der Nachtwächter hat nicht gewollt. Da wirft ihm die Gestalt eine treffliche Ohrfeige, schwebt zu seiner Gruft zurück und verschwindet dort.

Quelle: Karl Haupt, Sagenbuch der Lausitz, Leipzig, Verlag von Wilhelm Engelmann,1862


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