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sagen:raddusch073

Wie die Schlangen aus dem Spreewald verschwanden

Früher gab es im Spreewald so viele Schlangen, dass sie eine Landplage waren. Da kam einmal ein Mann. Der sagte: „Ich will euch die Schlangen vertreiben, aber nicht eher als am ersten Mai.“ Die Leute mussten eine große Grube graben und darüber ein Brett legen. Als der erste Mai gekommen war, sagte der Mann zu den Leuten: „Aus allen Himmelsrichtungen werden die Schlangen mit ihren Königen kommen. Sobald ich meine Zauberei beginne werden sie auf mich losschießen. Dabei werden sie aber in die Grube stürzen. Es kann sein, dass ich dabei auch hineinfalle, dann muss ich sterben. Werft aber, wenn ich in der Grube bin, sogleich Erde hinein, damit mich die Schlangen nicht zu sehr beißen!“ Der Mann trat auf das Brett, das über der Grube lag, nahm seine Flöte blies darauf eine wunderschöne Melodie. Darauf neigte er sich dreimal nach allen Himmelsrichtungen und blies wieder auf seiner Flöte. Plötzlich konnte man ein seltsames Rauschen in der Luft hören. Dann kam eine Menge Schlangen aus allen vier Richtungen herbei, voran die Schlangenkönige mit goldenen Kronen und großer Pracht. Es war ein Gefunkel, wie es die Menschen noch nie gesehen hatten. Alles glänzte von Gold und Edelsteinen. Die Schlangen schossen auf den Mann zu, verfehlten ihn aber und stürzten in die Grube. Aber die eine oder die andere musste ihn doch erreicht haben, denn plötzlich schrie er auf und fiel in die Grube. Da liefen die Leute eilig mit Spaten und Schaufeln herbei, warfen die Grube zu und verschütteten das Getier samt dem Manne. Seit dieser Zeit sind die Schlangen aus dem Spreewald verschwunden.

Quellen:


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