Sage von Rinetta und dem Kral
Es geschah, dass der wendische König ein zehnjähriges Mädchen namens Rinetta stahl. Auf dem Ritt zum Schloss weinte das Kind in den Armen des Räubers. Aber allmächlich schlief es ein und sagte im Traum zu ihm: „Du guter Vater“. Davon war der Kral (der König) so beeindruckt, dass er – in wundersame Gedanken versunken - sein Roß zum Haus der Eltern von Rinetta führte. Diese schrien, als sie den Kral erkannten.
Das erwachte Kind aber, als es sich wieder bei seinen Eltern sah, lächelte und sagte: „Oh, er hat mir nichts getan, er hat mich nur ein wenig auf seinem Pferde reiten lassen.“ Da ritt der Kral rasch davon. Wohl blieb er ein wilder Räuber, aber stahl keine Kinder mehr. Von Zeit zu Zeit, wenn ihn sein Gewissen, ob seiner Raubzüge und Zechgelage plagte, zog es ihn zu Rinetta hin, die gar lieblich aufblühte von Jahr zu Jahr.
Zuletzt fasste der Kral eine so verzehrende Liebe zu dem Mädchen, dass er einsam wurde und wochenlang seine Burg nicht verließ. Da kam Rinetta zu ihm als seine Frau. Von da an tat er keinen Raubzug mehr. Und gar als Rinetta ihm einen Sohn schenkte, da ward der Kral dem Lande ein gütiger Vater. Er verteilte von den ungeheuren Goldschätzen, baute Weiler und Dörfer, wurde ein Feind und Vernichter aller Räuber, die noch im Lande waren.
Quellen:
- Aufgespürt und aufgeschrieben vom Radduscher Ortschronisten Manfred Kliche im Vettschauer Mitteilungsblatt 08/2021
