Die Sage vom verschwundenen Drachen
Zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts wohnte in Reuden bei Calau ein Schäfer mir seiner Frau. Die Leute im Dorf behaupteten, er habe den Drachen in seinem Hause. Einst waren die Eheleute zu einer Kindtaufe eingeladen, sie gaben daher der Magd den Auftrag, sie solle zu Mittag auf den Bodengehen und einen Topf mit Hirse in eine Tonne stellen, die dort stand. Nun hatte die Magd aber eine Liebschaft mit einem Schäferknecht, Der war der Meinung, die Hirse würde ihnen beiden auch gut schmecken, und es sei doch gleich, ob ein Topf mit Hirse oder mit Wasser in die Tonne gestellt werde. Das Mädchen ließ sich überreden, und sie löffelten die Hirse aus. Als die Mittagsstunde schlug, ging sie mit einem Topf voll Wasser auf den Boden und wollte ihn in die Tonne stellen. Aber, oh Schreck, im selben Augenblicksprang ein großes schwarzes Tier aus dem Fass und fuhr zum Dach hinaus, dass das Gebälk nur so krachte. Genau zur selben Zeit, als dies in dem Haus geschah, erlitten die Schäfersleute, die gerade beim Schmause saßen, einen Schock. Ihre Gesichter wurden fahl und verwandelt. Sie eilten verstört nach Hause - ihr Gelddrache war für immer verschwunden.
Quellen:
- Sagen unserer Heimat - zwischen Spreewald und Elbe; Bezirksvorstand Cottbus des Verbandes der Journalisten der DDR
- Aufgespürt und aufgeschrieben vom Radduscher Ortschronisten Manfred Kliche im Vettschauer Mitteilungsblatt 01/2021
