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sagen:raddusch047

Die Irrlichter aus Raddusch

  Der Spreewald, E.Kühn's Verlag Cottbus, 1889

Zur Zeit des siebenjährigen Krieges regierten im Raduscher Busch die Irrlichter. Sie hatten ihren Sitz auf einer großen hohlen Weide und leuchteten oft in der Nacht wie eine siebenarmige Lampe.

Einst beredeten sich zwei Jungen, sie wollten die Irrlichter auf der Weide ausbrennen. Die Jungen wurden zwar gewarnt, die Irrlichter auf ihrer Weide zu stören, da sie die Seelen von verstorbenen Kindern wären; allein die Jungen ließen sich in ihrem Vorhaben nicht irre machen, sondern nahmen Reisigbündel und gingen damit zur alten Weide. Hier legten sie die Reisigbündel auf die Krone der Weide, dann brannten sie dieselben an.

Darauf liefen die Jungen eilig nach Hause. Sie wollten eben zum Hoftor hineingehen, als sie von einer unsichtbaren Hand ergriffen wurden und über das Tor hinüber geworfen wurden. Sie fielen in ein Wasserloch, welches sich auf dem Hofe befand und blieben eine ganze Weile besinnungslos darin liegen.

Nach einiger Zeit kamen sie zu sich, krochen auf das Trockene und gingen in das Wohnhaus; dort erzählten sie, was geschehen war. Da sagten die alten Leute, welche das hörten: „Passt einmal auf, die beiden sterben noch in diesem Jahre.“ Und richtig, zur Kirmes wurden die beiden Jungen begraben.

Quellen:


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