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Der Kirchhofhund zu Freienseen
In Benderhannesen Haus in Freienseen war einmal ein durstiges Klübbchen lustiger Vögel beieinander, die rätschten Karten, dass es eine Art hatte, sangen und jauchzten, dass man es drei Gassen weit hören konnte. Unvermerkt würde über diesem Treiben Mitternacht. Als es eben den zwölften Schlag vom Turm tat, sprang etwas unter sie. Zottige Pfoten legten sich mitten auf den Tisch und aus einem grausigen Bart schauten tellergroße funkelnde Augen sie ingrimmig an, dass sie vor Schrecken laut aufschrien und ihnen die Kartenblätter aus den Händen fielen. Das war der von den Kindern des Fleckens noch heute oft mehr als ein Buckel voll Schläge geflüchtete Kirchhofhund, von dem als einem nächtlichen Unhold die Alten früher nicht Wunder und Zeichen genug erzählen konnten.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
