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Der Drache
Unterhalb Rainrod ist eine wüste Bergwand, nur hier und da mit Dorngestrüpp bedeckt. Da stand vor Alters ein hoher, heiliger Wald und haben die Heiden darin Kirche gehalten. Im Schoß des Berges sind viele Reichtümer versteckt, welche ein boshafter Drache behütet, der selten oder gar nicht ans Tageslicht kommt. Es ist eine kleine Höhlung noch jetzt sichtbar, die heißt das Drachenloch. Daraus soll das Ungetüm manchmal hervorkriechen in mitternächtiger Stunde, um in dem entfernten Mühlbach bei Eichelsdorf seinen brennenden Durst zu löschen. Dieser muss sehr gewaltig sein, denn kein Tropfen bleibt dem Müller übrig und die Mühle steht still, ehe man es sich versieht. Obwohl es über eine Viertelstunde Wegs ist, steckt der Drache dann doch immer noch mit seinem Schwanz in dem Loch, so scheußlich lang ist er.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
