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Die Rosenblätter
Aus Schotten kam ein Bettelweib den Weg herauf nach Busenborn und sah links vom Eingang des Dorfes auf einem Acker ein großes weißes Tuch liegen und etwas darauf, was von Weitem nicht zu erkennen war. Darüber erstaunte sich die Person, weil es in den letzten Tagen des Herbstes war und man nirgends jemand dabei erblickte. Sie ging deshalb hinzu und sah auf dem Tuch lauter frische grüne Rosenblätter liegen. In den ersten Häusern, wo sie sich ein Stück Brot forderte, sprach sie von dem, was sie gesehen hatte. Die Leute eilten zu dem Platz, sahen aber weder Tuch noch Rosenblätter mehr, doch waren sie überzeugt, dass sich damit ein Schatz kund getan habe. Etliche Jahre danach, da man einen Rain des Ackers entfernte, wurden zwei Töpfe gefunden. Die waren mit lauter Weißpfennigen gefüllt.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
