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sagen:ohsb178

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Der Geldstrauch

In dem Eschenröder Küppel, der auch der wilden Frau Haus genannt wird, soll viel Geld vergraben sein, sagen die Alten.

Ein Mann, dem der Platz gefiel, ging oft dahin. Als er da einmal auf der Erde lag und seine Mittagsruhe hielt, hörte er unter sich ein Geräusch, als ob es im Berg donnerte. Dann klang und rasselte es durcheinander, als ob Gold und Silber aus der Höhe auf harte Steinplatten fiele. Er reckte sich empor und horchte, aber er hörte nichts mehr.

Gleich nebenan ist eine Hecke, die heißt insgemein der Geldstrauch. Eine arme Frau von Eschenrod hütete da einmal ihr Hitzchen (Zicklein). Wie sie vor sich sah, stand ein Kessel mit Geld vor ihr. Ganz erfreut rief sie: »Hitzchen, hilf!« Und sie griff nach dem Henkel. Aber sie hatte gut greifen; den Henkel behielt sie zwar in der Hand, der Kessel aber war fort und blieb fort. Warum? Sie hätte ja auch ihren Mund halten können.

Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873


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