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Das glückliche Schulkind
Das ehemalige Forsthaus Petershain zwischen Mulstein und Schotten steht einsam in den Wäldern an einem Platz, wo früher Raubritter ihr Schloss hatten und von dieser Mordkante aus dem Land Hessen vielen Schaden taten. Es denkt noch manchem, dass Petershain außer der Försterwohnung auch noch mehr Häuser hatte und wie ein kleines Dorf war. Zu jener Zeit gingen einmal frühmorgens die Schulkinder hinab nach Bobenhausen. Unter ihnen befand sich auch ein kleines Mädchen von sieben Jahren, dem der böse Weg blutsauer wurde und das darum immer mehr hinter seinen Gefährten zurückblieb. Eben saß es auf einem Stein ganz ermüdet, als sich vor seinen Füßen der Boden auftat und, wie eine verborgene Quelle lustig emporsickert, aus demselben eine Menge des allerschönsten Klengleins in dichtem Fluss hervorbrach. Das Kind hatte seinen Griffel im Mund und rührte mit demselben, ohne an etwas zu denken, in dem Lein herum, dann steckte es denselben in seine Büchse und eilte flüchtigere Fußes den anderen nach. Als es in der Schule die Griffelbüchse hervorsuchte, rasselte es darin. Es wendete sie um und siehe, eine Menge große, glänzende Goldkörner fielen zur Erde. Das war der Leim gewesen, der sich an seinen Griffel gehängt hatte. Die Eltern machten sehr erfreute Gesichter, als es solchen Reichtum heimbrachte, waren aber ebenso enttäuscht, als sie, trotz des eifrigsten Nachsuchens, den wunderbaren Fundort desselben mit ihrem Kind nicht wieder auffinden konnten.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
