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In den Lochgärten
Unmittelbar vor der Neustadt von Grünberg liegen die Lochgärten. Da sollen vor Zeiten, als die Stadt noch mit Mauern und Türmen bewehrt war, große Schanzen gewesen sein. Von denselben sieht man nun nichts mehr, denn der Platz ist überall geebnet und wird als Gartenland benutzt. Es ist schon lange her, da arbeiteten im Sommer dort Leute noch zur Mittagszeit und sahen unvermutet zwei große silberne Kannen vor sich stehen, die wundersam dem Boden entstiegen waren und wie die lichte Sonne am Himmel glänzten und gleißten. Ganz erstaunt über das seltsame Schauspiel, starrten sie mit vielem Kopfschütteln die Gefäße an, getrauten sich aber nicht, weil sie nicht wussten, was noch kommen würde, sie wegzunehmen. Ehe sie noch recht zu einem Entschluss gekommen waren, verschwanden die Kannen wieder ebenso spurlos, wie sie emporgestiegen waren, und alle ihre Betrachtungen waren nun umsonst.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
