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Der rote Geiger am Forellenteich
Der Forellenteich im Oberwald hat etwas an sich, darüber lässt sich nicht disputieren. Selten vergeht ein Jahr, ohne dass irgendein Mensch hineinspringt und so eines bösen Todes verstirbt. Darum ist es dort auch niemals recht geheuer, absonderlich des Nachts. So war dort einmal ein Kohlenbrenner, der gedachte des Nachts auf die Wildbretsknapperei auszugehen, denn, wahrhaftig, bequemer konnte er es nicht haben, wie hier im stillen Wald. Also ging er zu dem Forellenteich. Allein als er über den Seedamm hinschritt, stand ein großer, fürchterlicher Mann vor ihm, der war blutrot angetan und hatte eine Geige am Backen und geigte darauf los, dass es eine Art hatte. Er geigte aber nicht einem Menschen, sondern zwei roten Hunden, die waren auch überirdisch groß und sprangen um ihn her. Als der Kohlenbrenner näher kam, warnte er ihn mit diesen Worten:
Wo du bedoage (bei Tage)
Sott du benoage (bei Nacht)
Sust soll deich dies und das verschloage!
Mein Kohlenbrenner merkte Unrat und kehrte um, hatte auch nie wieder einen Gang gemacht, um Wild zu stehlen.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
