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Die todte Mutter
Es war eine Frau gestorben, welche einen blutjungen Säugling hinterließ. Sie hatte jedoch eine Schwester, die gleichfalls ein Kind besaß, welches sie noch an ihrer Brust stillte. Diese nahm sich des armen Waisleins treulich an. Wenn sie sich legte, hatte sie immer die beiden Kinder nebeneinander vor sich in der Wiege liegen. Nun geschah es in einer Nacht, dass beide Kinder zu gleicher Zeit zu schreien anfingen. Da griff die Mutter zuerst nach ihrem eigenen, um dasselbe zu beruhigen. Aber kaum hatte sie das getan, so spürte sie eine eiskalte Hand auf ihrem Arm und das Kind ihrer verstorbenen Schwester wurde ihr dargereicht und an die Brust gelegt.
Seit der Zeit hat man die fünf Finger, auf ihrem Arm ausgedrückt, bis an ihren Tod sehen können.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
