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sagen:ohsb154

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Bei der Wingen-Eicher Brücke

über welche der gewöhnliche Fahrweg nach Ruppertenrod von Großen-Eichen führt, hat ein Dörflein gestanden, dessen Dasein noch durch mancherlei Namen der Gemarkung bezeugt wird. Wann dasselbe verschwunden ist, darüber gibt nun keine Urkunde mehr Auskunft. Der Platz selbst wird bei Nachtzeit nicht gern betreten, denn es wandert (spukt) dort in mancherlei Weise. So hat der Großen-Eicher Schulmeister dort ein Grundstück. Einst hatte er den Pferch gestrichen und der Schäfer lag in seiner Hütte, vor sich angebunden den Hund zur Wacht. Elf Uhr schlug es im Dorf, da sprangen alle Schafe wie rasend empor, blökten jämmerlich, rannten verschüchtert hin und her. Weder der Hund noch der Zuruf des Schäfers konnten sie zur Ruhe bringen. Mit Gewalt sprangen sie über die Hürden und wie der Sturmwind liefen sie in das Dorf zurück. Dieser Vorfall wiederholte sich allnächtlich, sodass der Pferch abgefahren werden musste. Später erfuhr der Schäfer, dass dieser Schulacker der frühere Kirchhof von Wingen-Eichen gewesen sei, und wusste sich nun seinen Vers darüber zu machen.

Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873


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