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Der Lichtermann
In der Adventszeit sieht man viele Heerwische fliegen, die nennt man auch feurige Männer, oder sagt von ihnen allen: »Der Lichtermann geht um.« Das sind die Geister von Menschen, welche ungerechterweise bei nächtlicher Weile die Grenzsteine verrückt haben. Wenn man einen Irrwisch fliegen sieht, ruft man ihm den Spottreim zu:
Irrwisch, bernst (brennst) wie Hawwerstroh,
komm und leucht mir aach e so.
Wenn du mich kräist vor der Tür,
darfst, du mir geben ein Tritt hinne für.
Auch:
Hänschen, Hänschen Haberstroh,
Schmeiß mir den Buckel braun und blo.
Aber dann heißt es sich getummelt, dass man auf seine Hofreite kommt, denn der Lichtermann setzt einem nach, und wen er vor der Tür erwischt, dem gibt er einen Stoß in den Rücken, dass er hinpurzelt, und hägt ihn blitzeblau mit seinen feurigen Fittichen.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
