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sagen:ohsb105

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Hexe verwundet

Zwei Bursche von Eichelsachsen, die in Darmstadt beim Regiment standen, kamen auf Urlaub in den Vogelsberg zurück, und kehrten in Schotten in einem Wirtshaus ein, um noch zu guter Letzt einen Labetrunk zu thun. Vor ihrem Weggang gerieten sie mit der alten Frau im Haus in Streit, welche ihnen zu viel abnehmen wollte, wie es eben die Wirte gewohnt sind, so daß sie alle Donnerwetter ihr auf den Kopf fluchten und mit lautem Gemord (Disput) davon gingen.

Auf dem Heimweg sahen sie auf einmal eine große böse Katze bald vor, bald hinter ihnen dreinlaufen; aber sie ästimirten das Ding nicht und gingen ihres Weges weiter. In der Gegend aber, wo die Launsbach fließt, fuhr die Katze dem einen Soldaten in die Beine, eh er sich's versah, und kratzte und biß ihn dergestalt, daß er Laut Ach und Weh schrie. Sein Kamerad zog sogleich den Säbel und schlug auf das giftige Thier los, das auch an ihn wollte, und wischte ihr etliche aus, daß sie tüchtig blutete. Auf einmal war die Katze weg.

In Eichelsachsen erzählten die Soldaten das seltsame Abenteuer. „Ja,“ sagten die Leute, „das ist kein Wunder, das ist die Wirtin gewesen, die steht schon lange in bösem Geruch; seht morgen nur einmal nach.“ Das thaten sie denn auch. Richtig, die alte Frau lag im Bett, hatte Kopf und Arme verbunden und Blutschrammen im Gesicht und an den Händen. So kam ihre Falschheit an den Tag.

Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873


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