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Der Jungfernborn bei Hirzenhain

Unfern der Gegend, wo der ausgegangene Ort Schönberg gestanden hat, liegt der Jungfernborn. Da stand ein stolzes Schloss, angefüllt mit Gold, Silber und allerlei kostbarem Zierrat. In ihm wohnten drei Jungfrauen. Seitdem aber dasselbe zerstört und zerfallen ist, kommen sie immer noch, jedes Mal des Mittags zwischen elf und zwölf Uhr, zum Brunnen, um sich darin zu baden. Sie tauchen mit ihrem schneeweißen Leib auf und nieder in der Flut, strählen und schnätzen (schmücken) ihr langes goldglänzendes Haar im Sonnenschein. Kein Mensch wagt sie zu stören. Die Förster, wenn sie durch den Wald streifen, erschauen sie oft. Noch heute gehen viele gerne zu dem Platz, absonderlich an Sonntagnachmittagen. Wunderschöne blaue Lilien wachsen jeden Sommer wild daselbst, wie man sie in keinem Garten schöner findet.

Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873


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