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Weiße Frau im Altenburgskopf bei Schotten
Auch in den Altenburgskopf bei Schotten ist eine weiße Frau verwünscht schon seit langen Zeiten, die erschien einem Michelbacher Mann und bat ihn um ihre Erlösung.
Als der Mann verwundert sie fragte, was er denn dazu tun könne, sagte sie: »Komme morgen Mittag mit deiner Frau und ihrem ungetauften Säugling hierher! Du wirst mich dann zwar als eine Schlange antreffen, aber lass es dich nicht anfechten. Es wird dir kein Haar auf dem Haupt gekrümmt.«
Der Mann ließ sich willig finden und brachte zur bestimmten Stunde Frau und Kind an Ort und Stelle. Nun rauschte durchs Laub die Schlange daher und ringelte sich um die Frau, um aus ihrer Brust zu trinken. Stillschweigend litt es diese, als die Schlange den ersten und zweiten Zug tat. Bei dem dritten jedoch konnte sie sich vor Schmerz nicht mehr halten und schrie laut auf. Alsbald fuhr die weiße Frau in die Luft und verschwand unter Wimmern und lautem Klagen.
Dieselbe weiße Frau erschien auch einem Schäferknecht und bat ihn, in eine Schlange verwandelt, nur um drei Küsse. Sie erlaubte ihm sogar ein weißes Schnupftuch vor den Mund zu nehmen, wenn er sich das so nicht getraute. Den Burschen schüttelte es zu sehr inwendig und ließ sich auf Nichts ein. Da ging sie betrübt hinweg und sagte: »Dann muss ich noch lange Jahre warten.«
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
