<<< zurück | IV. Weiße Frauen | weiter >>>
Die Schlossjungfrau auf der Altenburg bei Sichenhausen
Die Altenburg über Sichenhausen ist ein jäher Berg, unter welchem dieses sehr arme Vogelsberger Dörfchen liegt. Oben sieht man zerstreute Felsen und findet in der heiligen Seif (sumpfiger Wiesgrund) den Gesprengsborn, die Quelle des Seemenbachs. Vor Menschengedenken stand ein Schloss auf dieser Höhe, von dem ist nichts mehr übrig. Inwendig im Berg sind große Schätz aufgehäuft, die werden von eivem feurigen Hund bewacht. Verschiedentlich hat sich auch eine weiße Jungfrau dort sehen lassen. Die singt mit rührender Stimme ihre Lieder durch die stille Mitternacht und tanzt auf einem Bein im Kreis herum. Wo sie stehen bleibt, soll sich die Schatzkammer des Schlosses auftun. Wer das Herz hätte, hinzugehen, der könnte sie erlösen und reich werden für sein Leben.
Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873
