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sagen:ohsb019

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Die alte Frau im Schershain

Ein Grebenhainer Mann ging über der Ahlmühle im Oberwald und kam an den Platz, wo ehedem das Dörflein Schershain gestanden, das im Dreißigjährigen Krieg durch das Soldatenvolk so jämmerlich untergegangen ist.

Da saß eine alte Frau neben einem Tuch, auf dem Knotten lagen und spann gar emsig. Er bot ihr also freundlich die Zeit, wie es sich gehört. Es war aber gegen Mittag hin, doch sie kümmerte sich nicht um seinen Gruß und spann fort. Nun wurde er stutzig und besah sie sich genauer, allein er kannte sie nicht. Neben ihr lag ein großes Schlüsselbund. Im Vorbeigehen raffte er aus Langweile eine Handvoll Knotten auf und steckte sie in seine Tasche. Als er heim kam, waren es ebenso viele Goldkörner.

Quelle: Oberhessisches Sagenbuch, Aus dem Volksmund gesammelt von Theodor Bindewald; Verlag von Heyder und Zimmer, Frankfurt a. M., 1873


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