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Der Teufel auf dem Kohnstein
Früher hatte der Teufel in dem kohnsteiner Felsen eine Schatzkammer. Wer sich ihm verschrieben hatte oder verschreiben wollte, konnte die Thür derselben öffnen. In dieser Kammer lag ein feuriges Buch und darin standen auch die Namen sehr vieler Herren und Damen aus Nordhausen. Einst war zu Nordhausen ein Mann, der hatte so viel Schulden als Haare auf dem Kopfe und seine Gläubiger drängten ihn unbarmherzig, ja, es wollten ihm zwei der Gläubiger das Haus über dem Kopfe verkaufen lassen. Da ging der Mann betrübt umher und so begegnete ihm der Teufel, der fragte, was ihm fehle. Als er's nun erzählt hatte, wollte ihn der Teufel mit sich führen und er ließ sich endlich bereden, mit zu der Schatzkammer zu gehen. Da ihm nun der Teufel sagte, wenn er sich in das feurige Buch schriebe, so könne er so viel Geld erhalten, als er wollte, sprach er: so will ich morgen wiederkommen und mich unterschreiben. Das war der Teufel zufrieden, als aber der Mann hinwegging, hatte er schon einen Blick in das brennende Buch geworfen und die Namen der beiden Gläubiger darin gelesen. Wie er nun nach Nordhausen kam, ging er sogleich zu seinen Gläubigern und sprach: »Jetzt kann ich das Geld erhalten, das ich Euch schulde; aber da Ihr einmal dem Teufel Euch verschrieben habt, so lasset es Euch doch lieber selbst von ihm geben.« Da flehten ihn die Gläubiger an, sie nur nicht zu verrathen, und schenkten ihm so viel Geld, als er nur mochte.
Quellen:
- Sagen des Ober-Harzes und der Gegend von Harzburg und Goslar bis zur Grafschaft Hohenstein und bis Nordhausen, gesammelt und mit Anmerkungen herausgegeben von Dr. Heinrich Pröhle., 1853, Brockhaus Leipzig;
