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sagen:oberharz268

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Elende

Lora, die Göttin der Liebe, gab der Bergveste Lohra den Namen. Sie soll von den Sachsen dieser Gegend als Göttin verehrt sein. Ihr war ein großer schauerlicher Wald geweiht. Vor fünfzig Jahren oder jetzt noch erinnerte an diesen Hain noch ein kleines Gehölz, der Aufenthalt zahlloser Vögel, die Ruhensburg genannt, zwischen dem Reinhartsberg, Bleicherode und der Burg Lora, und einige getrennte Feldhölzer, zwischen denen nun gutgebaute Dörfer an der Wipper liegen.

In diesem Walde sollen einst Jünglinge der Göttin Lora im Spätjahre die Erstlinge der Jagd geopfert und im Frühjahre sollen die Jungfrauen unter frohen Gesängen der Göttin Blumenkränze dargebracht haben.

In der Mitte des Berges, auf dem man vorzüglich Lora verehrte, entsprang eine Quelle, zu der unglücklich Liebende, besonders Jungfrauen, denen der Tod ihren Geliebten entriß, wallfahrteten, um hier Vergessenheit zu trinken. Auf dem Gipfel dieses Berges baute eine edle Jungfrau der Sachsen, deren Verlobter in einer Schlacht gegen die Franken das Leben verlor, die Ruhensburg, wovon der Hain noch jetzt den Namen führt. Ruhensburg nannte sie den Ort, weil ihr Lora in diesem Haine einen neuen, ihrer würdigen Geliebten sandte, dessen Liebe die Trauernde tröstete und ihrem Herzen die langentbehrte Ruhe wiedergab.

Furchtbar war dieser heilige Wald den Ungetreuen. Hermtrud, die Verlobte Eilger's, eines edlen sächsischen Jünglings, der in den Kampf gezogen war, ward hier in den »Buchen« in Hermann's Armen gefunden. Dort weckte Lora sie auf durch einen Hirsch, der das Dickicht rauschend durchbrach und Hermtrud floh und betrat ohne Besinnung Lora's heiligen Hain. Da erbebte der Berg, und die Erde spie Flammen aus, welche die Unglückliche verzehrten.

Der Heidenbekehrer Winfried soll mit seinen Genossen auch die Ruhensburg zerstört haben; denn verschwunden war jetzt Lora's Macht. Folgende Rache erschöpfte ihre letzten Kräfte. Unweit des Reinhartsberges ereilte sie Winfried, der Heidenapostel, und Wagen und Pferde blieben plötzlich in tiefem Schlamme stecken. Und er wäre hier von der Erde verschlungen, hätte ihn nicht das Gebet zu der heiligen Jungfrau gerettet. Zum Andenken dieser Gefahr errichtete er drei Kreuze, die noch jetzt an dem Orte zu sehen sind, wo die Erde ihren Schlund gegen ihn aufthat, und weihte »in seinem Elende bei Lora's Walde« der Maria eine Kapelle. Noch jetzt heißt davon der Ort Elende.

Es wird auch erzählt, Elende habe daher den Namen empfangen, daß einst ein Fuhrmann, welcher Wein geladen hatte, dort festgefahren sei und deshalb ausgerufen habe: »Ach Elend!« Darauf stand aber eine Jungfrau neben ihm und erbot sich ihm zu helfen, wenn er ihr einen Trunk Wein reichte. Dazu war er bereit, die Jungfrau aber formte einen Becher aus Blumen, trank daraus und half dem Fuhrmann. Dieser nahm den Becher zum Andenken mit. Der Becher aber ward zu Gold und davon ist der heiligen Jungfrau eine Kirche zu Elende gebaut und Elende war lange Zeit ein berühmter Wallfahrtsort.

Quellen:


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