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Gründung des Klosters Ilfeld
Von einem bösen Graf Ilger von Bielstein weiß der Volksmund, der bewachte den Eingang in das Gebirge, den man später die Porta Ilefeldensis genannt hat; der Graf mordete und beraubte Jeden, der ihm in den Weg kam. So zog denn auch eines Tages Graf Konrad von Beichlingen, Otto's von Northeim Sohn, diesen Weg; da brach der Jlger aus seiner Burg und erschlug den Beichlinger. Aber kaum war dieser Mord geschehen, da erhoben sich die Kobolde und Berggeister aus ihren Klüften und Höhlen, wälzten das ganze Thal voll Felsen, trieben dann die Behre aus ihren Ufern, sodaß Ilger's Besitzthum in Wellen begraben wurde; alle Wege sperrten sich, nur eine Oeffnung hatte sich in einem Felsen gebildet, durch welche Ilger eben noch kriechen konnte, um auf die andere Seite des Thales zu kommen. Da gelobte er dann, wenn er gerettet würde, zur Sühnung und Buße an dem Orte, wo er den Beichlinger erschlagen, eine ewige Lampe zu gründen. Alsbald öffnete sich das Thal wieder und der Fluß trat ruhig in sein Bett und Ilger ward ein frommer Mann. Aus seiner Stiftung entstand Ilfeld, der Klosterort.
Die Wahl des Ortes, auf welchem das Kloster Ilfeld, das jetzt eine namhafte Gelehrtenschule ist, erbaut ward, wird folgendermaßen erzählt: Einst hat die Gräfin auf dem Schlosse Ilburg mitten im Walde ein großes Licht brennen sehe. Sie weckte ihren Mann deshalb, aber wie der kam, sah er nichts. Die Gräfin hatte es aber eine Stunde lang brennen sehen. Die zweite Nacht sah sie es um dieselbe Zeit, sie weckte den Grafen abermals, der aber sah wieder nichts. Die dritte Nacht, wie die Gräfin es sah, sagte sie dem Grafen nichts, sondern sattelte stillschweigend ein Maulthier und ritt damit auf das Licht zu, belud aber das Thier mit so viel Geld, als es nur tragen konnte. Wie nun das hinauskam, war das Licht ein großes Feuer, das rollte sich zusammen in ein großes feuriges Mühlrad und rollte immer weiter. Die Gräfin mit dem Maulthiere folgte dem feurigen Rade und kam so an eine Stelle, wo es erlosch. Da ließ sie dann von dem Gelde, das sie auf den Esel geladen hatte, eine Kirche bauen, und wie man an der Stelle, wo das Feuer gebrannt hatte, einen Graben in der Erde grub, um die Grundmauer hineinzusehen, wurden noch überdies an der Stelle zwei Tonnen Goldes gefunden, die zum Klosterbau mit benutzt wurden.
Quellen:
- Sagen des Ober-Harzes und der Gegend von Harzburg und Goslar bis zur Grafschaft Hohenstein und bis Nordhausen, gesammelt und mit Anmerkungen herausgegeben von Dr. Heinrich Pröhle., 1853, Brockhaus Leipzig;
