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Kaiser Heinrich IV. auf Scharzfels
Aus Zeiler und andern Chronisten ist uns bekannt, daß der Kaiser Heinrich IV. in Liebe entbrannte zu einer Gräfin von Lauterberg auf Scharzfels, den Grafen 1080 durch einen Auftrag von Scharzfels entfernte und auf der Jagd dort einkehrte. Durch Anstiften eines Mönchs im Kloster Pöhlde, der ein Schwarzkünstler gewesen und sich mit dem Kaiser aufs Schloß verfüget, bewältigte er listig die edle Frau und beraubte sie ihrer Ehren. Da fuhr ein Burggeist, welcher sich bis dahin immer am Hohenthurm und in der Küche aufgehalten hatte, durch den Thurm in die Luft hinaus, nahm das Dach des Thurmes mit hinweg, machte ein gewaltiges Lamento und schrie, daß an der verübten Unthat der Mönch mehr schuldig wäre als der Kaiser, für den später dieser Vorfall auf Schloß Scharzfels verhängnißvoll geworden sein soll. Nachdem der Burggeist so das Verborgene ans Licht gebracht hatte, duldete er kein Dach mehr auf dem Thurme, Dieser Burggeist war, wie ich mündlich erfahren, mit den Burgherren, deren Frauen er bewachte, überhaupt in so gutem Einverständniß, daß er oft vor dem Schlosse stand, wenn der Burgherr heimgeritten kam, um ihm sogleich Bericht abzustatten, falls ein Unglück geschehen war. In neuerer Zeit sind auf Burg Scharzfels auch große Sängerfeste veranstaltet; dann richtete der Burggeist, den Andere auch einen Zwerg nennen, es jedesmal so ein, daß die Festlichkeit durch den Regen gestört wurde, – er will nun einmal auf Burg Scharzfels keinen Frohsinn mehr dulden.
Quellen:
- Sagen des Ober-Harzes und der Gegend von Harzburg und Goslar bis zur Grafschaft Hohenstein und bis Nordhausen, gesammelt und mit Anmerkungen herausgegeben von Dr. Heinrich Pröhle., 1853, Brockhaus Leipzig;
