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Die weiße Jungfer bei der Herrenkirche unweit Dorste
Vor vielen hundert Jahren stand da, wo jetzunder die Herrenkirche ist, ein Dorf, das auch Herrkirche hieß. In einem Kriege wurde es dem Boden gleich gemacht und seine Bewohner zogen nach Dost (Dorste). Seit dieser Zeit läßt sich hier alte hundert Jahr auf der Herrenkirche eine weiße Jungfer sehen, und wer dann zufällig in der Nähe ist, kann sein Glück machen. Die Jungfrau kommt aus einer von alten Eichen beschatteten Quelle hervor und sieht sie einen Menschen, so geht sie auf ihn zu und bittet, daß er doch eine Molle voll Geld annehmen möge. Wer nun dreist genug ist und über die Molle eine schon in der Kirche getragene Weste deckt, bekommt das Geld in die Hände und erlöst dadurch die Jungfrau. Wer aber das Halstuch darüber deckt, dem dreht sie den Hals um. Wird Jemand graulich und läuft davon, so versinkt sie wieder auf hundert Jahre mit einem lauten Quiek in den Born. Noch jetzt lebt in Dorste ein Mann, der die Jungfrau gesehen haben will, aber aus Furcht davongelaufen ist. Den öden Anger mitten im Felde, eine halbe Stunde von Dorste, wo sie erscheint, betritt noch jetzt Niemand, ohne an sie zu denken.
Quellen:
- Sagen des Ober-Harzes und der Gegend von Harzburg und Goslar bis zur Grafschaft Hohenstein und bis Nordhausen, gesammelt und mit Anmerkungen herausgegeben von Dr. Heinrich Pröhle., 1853, Brockhaus Leipzig;
