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Die Osterjungfrau - 3.Sage
Das Erscheinen der Jungfrau vor den Augen des Leinewebers wurde mir auch in folgender Weise berichtet: Der Weber sah in der Pfingstzeit vor sich plötzlich einen Lichtstrahl, ja, eine ganze Lichtstraße,, die von der alten osteröder Burg ausging. Vor derselben lagen auch zwei feuerspeiende Thiere, wie der Erzähler sagte, Löwen. Die Jungfrau aber bestellte den Weber auf den andern Abend um Elf, da erschien sie ihm abermals mit dem Lichtstrahle, gerade auf den Hieb (Glockenschlag) um Elf. Sie führte ihn nun an den wilden Thieren vorbei durch eine eiserne Thür und in einen Gang, der auch sehr hell war. Sie traten von dem Gange aus durch eine alte Stubenthür in ein Zimmer ein, wo auf einem Tische ein Buch lag und daneben eine wunderschöne Kerze stand, die Kerze aber ist eine Blume gewesen. Der Weber brach die Kerze ab, da tönte es mächtig. Sie aber hatte so großen Werth, daß der König sie dem Weber nicht abkaufen, sondern sie nur zum Geschenk nehmen wollte und ihm ein Rittergut als Gegengeschenk gab.
Quellen:
- Sagen des Ober-Harzes und der Gegend von Harzburg und Goslar bis zur Grafschaft Hohenstein und bis Nordhausen, gesammelt und mit Anmerkungen herausgegeben von Dr. Heinrich Pröhle., 1853, Brockhaus Leipzig;
