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Frau Holle, die schwarze Kathrine und die Waldfrau in St.-Andreasberg
Alle Nacht von Elf bis Zwölf kommt die Frau Holle nach den Drei-Brotsteinen im Walde bei Andreasberg, setzt sich darauf und weint. Diese Steine sehen wie drei aufeinandergeschichtete Brote aus, sind von der Erde an wol drei Lachter hoch. Sie liegen auf einer Höhe, zu deren beiden Seiten Thäler sind, in deren jedem Wasser fließen, von denen das eine Dreibrotenwasser heißt. Wenn da im Sommer an einem bestimmten Tage Jemand durchgekommen ist, so ist die Frau Holle ihm auf dem Rücken gesprungen und er hat sie etwa sieben Minuten, bis vors Wasser, tragen müssen. Wer die Steine, die früher Brote gewesen sind, wieder in solche verwandeln kann, erlöst die Frau Holle.
Einige sagen auch, die schwarze Kathrine sei in die Dreibroten verwiesen.
Früherhin sagte man in Andreasberg den Kindern, um sie zu schrecken: »Wir rufen die Frau Holle herein!« Sich in sie zu verkleiden, wie an andern Orten geschieht, hätte dort Niemand gewagt.
Einstmals ging eine Mutter mit ihrem Kinde ins Holz und kamen nach dem Berge, welcher jetzt: Sieh-dich-im (Sieh-dich-um) heißt und im Löwengrund liegt. Da ging das Kind, das ein Mädchen gewesen ist, von der Seite ihrer Mutter fort, in die Hecke (Gebüsch), hörte auch nicht auf das Rufen der Mutter. Da erschien vor dem Mädchen eine schwarze Frau mit zwei Eimern ohne Boden in der Hand, welches die Frau Holle gewesen ist, drehte dem Mädchen den Kopf um und sprach: Sieh dich im. Seit der Zeit heißt der Berg: Sieh-dich-im.
Auf Andreasberg geht auch ein Hund, der einen Korb in der Schnauze hat, worin ein Bund Schlüssel ist. Er taucht bei dem Mühlenborner Puchwerk auf und geht ganz im Sperrlutterthal herunter, wo er verschwindet.
Wer den Sonntag geboren ist, von dem sagt man, daß er die Waldfrau in einem weißen Laken sehen könne. Einst rupfte eine Frau im Walde Brennesseln, da ging die Waldfrau immer hinter ihr und rupfte wie sie.
Quellen:
- Sagen des Ober-Harzes und der Gegend von Harzburg und Goslar bis zur Grafschaft Hohenstein und bis Nordhausen, gesammelt und mit Anmerkungen herausgegeben von Dr. Heinrich Pröhle., 1853, Brockhaus Leipzig;
