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Der Fluch der Mutter
Mündlich aus Gressenich
An eine jetzt nicht mehr bestehende Grube bei Münsterbusch, die zur Zeit ihres Betriebes immer in schlechtem Zustande gewesen sein soll, knüpft sich folgende Sage:
Eine arme Witwe hatte einen Sohn, der ihre einzige Stütze in ihrem Alter war. Eines Tages verunglückte dieser. Seine Kameraden trugen den Leichnam ans Tageslicht. Die Mutter eilte herbei und warf sich händeringend über ihren verstümmelten Sohn. Da sie die Schuld des Unglücks dem schlechten Ausbau des Bergwerks zumaß, was auch der Fall gewesen sein soll, erhob sie sich plötzlich in ihrer Verzweiflung, ergriff eine Bürste, warf sie in den nebenliegenden Schacht hinab und sprach den folgenden Fluch über die Grube aus: „So viel Haare, so viel Jahre soll diese Grube verflucht sein und kein Erz mehr zutage fördern.“
Der Fluch der Mutter ging in Erfüllung; die Grube stürzte völlig ein und ist seitdem von der Erde verschwunden. Wegen des vielen Jammers, den diese Grube gebracht, nennt man sie Jammersgrube.
Quelle: Heinrich Hoffmann Zur Volkskunde des Jülicher Landes, Sagen aus dem Indegebiet, 1914, Nr. 479
