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Der Spielmann und der Wolf

Ein Spielmann von hier zog in hiesiger Gegend von Ort zu Ort und spielte den Landleuten bei Festen auf. Seinen Lohn empfing er in Lebensmitteln. So kam er eines Abends durch den Wald nach Hause. Einen Sack voll Lebensmittel trug er auf seiner Schulter. Plötzlich hörte er hinter sich das Geheul eines Tieres, an dem er sofort einen Wolf erkannte. Aus Angst kletterte er auf einen Baum und glaubte dort sicher zu sein.

Der Wolf blieb an dem Baume stehen und belagerte ihn. Der Spielmann wartete und wartete, ob sich die Bestie nicht entferne. Zuletzt wurde dem Spielmann die Zeit zu lang. Er nahm einen halben Schinken, um den Wolf zu sättigen. Das Untier hatte auch bald das Stück Schinken verzehrt. Dadurch war der Wolf nicht gesättigt, sondern noch gieriger geworden. Und so warf der Musikant nach und nach den ganzen Inhalt des Sackes herunter. Das mochte dem Wolfe behagen, aber er dachte wohl noch mehr zu bekommen.

Der Mann, ärgerlich darüber, warf schließlich auch den Sack herunter mit den Worten: „Da friss auch das noch!“ Der Wolf war ein Feinschmecker und wartete auf den Spielmann selber. Unterdessen kam der Morgen heran, und der Spielmann griff, um sich die Zeit zu vertreiben, nach seiner Geige. Kaum hatte er die ersten Streiche getan, da sprang der Wolf auf und rannte davon. „Donnerwetter“, sagte der Spielmann, „hätte ich das doch eher gewusst“, nahm seine Geige und ging spielend nach Hause.

Quelle: Heinrich Hoffmann Zur Volkskunde des Jülicher Landes, Sagen aus dem Indegebiet, 1914, Nr. 369


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