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Obergeich als Römerstadt
Mündlich
Der alte, über 90jährige Pohl aus Obergeich berichtete mir folgendes: „Von den alten Leuten, die weder lesen noch schreiben konnten, und die es daher aus mündlicher Überlieferung wußten, habe ich immer gehört, daß Obergeich in uralter Zeit größer und bedeutender war. Es war eine Stadt aus der Römerzeit, die Gression hieß. Hier hat sogar ein stattliches Schloß in der Stadt gelegen, in dem Raubritter wohnten.
Da kamen eines Tages andere Raubritter, zerstörten und verbrannten Schloß und Stadt. Es blieben nur die Fundamente, die sich unter dem Boden in der Umgebung dahinziehen, übrig, sowie die vielen roten Dachpfannen, die auf den Feldern liegen. An der Stelle, wo das Schloß gelegen, haben wir oft verkohlte Holzbalken, Asche und Wirtschaftsgeräte, besonders aus Eisen gefunden. Ein verrosteter Degen, dessen Griff aus Hirschhorn bestand, kam zum Vorschein, sowie ein flacher Schleifstein, den wir noch heute gebrauchen.
Auch die im Boden stehenden Mauerreste zeigen, daß hier einmal ein starker Brand gewütet hat, da die Steine oft von Rauch geschwärzt sind.“
Quelle: Heinrich Hoffmann Zur Volkskunde des Jülicher Landes, Sagen aus dem Indegebiet, 1914, Nr. 123
