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Der Ritt auf dem Bock vom Hexentanz

  Mündlich aus Berg bei Nideggen

Ein junger Mann freite ein Mädchen aus Echtz. Sein Freund stellte ihn eines Tages zur Rede und fragte ihn: „Bist du auch schon nach zwölf Uhr in dem Hause geblieben? Denn wisse: Die Alte kann etwas mehr als Brot essen.“ Der junge Mann teilte es seinem Vater mit, und dieser sagte: „Das wollen wir einmal untersuchen.“

Am folgenden Samstag ging der Vater mit zu dem Hause. Schon um 11 Uhr drängte die Mutter des Mädchens zum Weggehen, sie gingen aber nicht. Gegen 12 Uhr machte die Alte nicht viel Federlesens: sie blies die beiden an, und da flogen sie zur Türe hinaus. Der Vater sagte darauf zum Sohne: „Komm her, wir wollen durch das Schlüsselloch sehen, was die beiden anfangen.“

Sie sahen, wie die Alte einen Behälter am Herde in der Küche ein Töpfchen entnahm, die Beine mit der Salbe bestrich und dann sprach: „Tipp, der Schornstehn erus“, und damit flog sie in die Höhe. Das gleiche tat auch das Mädchen mit der nämlichen Wirkung. – „Das wollen wir doch auch einmal versuchen“, riet der Vater. Sie machten alles nach, was die Alte getan hatte, und fort flogen sie aus dem Kamin, und dann ging es durch die Luft.

Bald gelangten sie vor einen hell erleuchteten Saal, in dem eine große Gesellschaft sich mit dem Tanze belustigte. Auch sie tanzten mit und trafen dabei die beiden, die sie noch vor kurzem verlassen hatten. Der Vater tanzte mit der Alten und der Sohn mit der Tochter. Bei einer Pause fragte die Alte den Vater: „Wie seid ihr hierher gekommen?“ Der Vater erwiderte: „Wie auch ihr, tipp, der Schonstehn erus.“ Wieder ergriff die Alte das Wort: „Nun will ich euch einen guten Rat geben. Gleich kommt für jeden ein Bod, den ihr besteigt, und der euch im Nu an den Ausgangspunkt führt. Sprechet aber keiner ein Wort, sonst geht es euch schlimm.“ – Sie taten das auch.

Der Bod flog dahin und setzte den Vater an dem Herde ab in dem Hause des Mädchens. Dem Sohne erging es anders. Er hatte eine solche Freude daran, wie er so leicht und schnell durch die Luft flog, so daß er, uneingedenk der Warnung, den Bod anredete. In dem Augenblick war der Bod unter ihm verschwunden, und er stürzte herab und kam um.

Quelle: Heinrich Hoffmann Zur Volkskunde des Jülicher Landes, Sagen aus dem Indegebiet, 1914, Nr. 83


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