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Der Waurke
Mündlich aus Bentzin, Kreis Demmin
Des Nachts trieb früher der Waurke oder, wie manche Leute ihn auch nennen, der Wodke sein Wesen. Mit einer großen Meute wilder, feuerspeiender Hunde zog er über Wald und Feld dahin und nahm alle mit, die sich nicht auf dem Hauptwege befanden, sondern querfeldein liefen. Doch warnte er schon aus weiter Ferue die Wauderer durch seinen laut schalleuden Ruf:
„Hau! Hau! Hau!
Hüllt den Middelwech,
Denn daun mîn Hunn juch niks!“
Einem Schäfer, der inmitten der Hürde wach in seiner Schäferhütte lag, kam dies Schreien lächerlich vor, und tollkühn, wie er war, rief er, so laut er konnte, in spöttischem Tone dem Waurke nach:
„Hau! Hau! Hau!
Hüllt den Middelwech!
Denn daun mîn Hunn juch niks!“
Kaum hatte er diese Worte beendet, so öffnete sich die verschlossene Thüre und ein Frauenbein kam ans ihn zugeflogen und hoch aus der Luft hallte die Stimme des Waurke herab:
\\„Kannst du mit jagen \\Kannst uk mit nagen!“
Der Schäfer hat sich darüber dermaßen entsetzt, daß man ihn drei Tage darauf auf den Kirchhof trug.
Quelle: Volkssagen aus Pommern und Rügen, Ulrich Jahn, Stettin, Verlag von H. Dannenber, 1886
