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Das eingemauerte Häuslein
Mündlich
Als das Schloß in Darmstadt gebaut werden sollte, lag ein Häuslein einer armen Wittib im Wege und der Baumeister ging zu ihr, um es ihr abzukaufen. Aber wie viel Geld er ihr auch für die Hütte bot, sie wollte dieselbe nicht hergeben, sprach: „Da sind meine Aeltern und Großältern geboren und gestorben, da bin ich geboren und will ich auch sterben.“ Der Baumeister wollte sie mit Gewalt aus dem Häuslein treiben, da wandte sie sich an den Landgrafen und klagte ihm ihr Leid, und der Landgraf gebot sofort, die arme Frau in ihrem Eigenthum zu lassen, und die Hütte dem Schloß einzubauen. Das geschah und man sieht sie noch heute am Schloß hängen, wie ein Nest, das ein Vöglein daran gebaut.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Leipzig, 1853
