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sagen:hsw251

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Ripfeld, Herbstein und Lanzenhain

Ein Ritter von Schalksbach hatte nur eine Tochter und keinen Sohn. Da die Tochter sehr schön und er sehr reich war, so fehlte es nicht an Bewerbern und die Wahl wurde immer schwerer. Da entschied der Ritter, ein Kampf solle herausstellen, welche unter den Bewerbern die Tapfersten seien und von diesen solle derjenige seine Tochter haben, der einen gewissen Stein, welcher in der Gegend lag, nach Schalksbach auf dem Rücken tragen können. Bald fand das Turnier statt und aus ihm gingen nach langem Kampf nur zwei als Sieger hervor. Der Erste versuchte den Stein zu heben, aber er brach unter ihm zusammen und gab den Geist auf. Der andere hob ihn auf seine Schultern und schritt rüstig mit ihm fort, bis er Schalksbach schon sah. Aber auf dem Gipfel eines Berges fühlte er seine Kräfte schwinden und sank mit dem Ausruf »O herber Stein!« tot zu Boden.

Als die Jungfrau dies hörte, beschloss sie, der Welt Valet zu sagen, weil sie ohne ihr Wollen Schuld an dem Tod der beiden Ritter war. Sie vermochte ihren Vater, von ihrem Vermögen Stiftungen zu machen und nahm den Schleier in einem Kloster. Zum Andenken an diesen schrecklichen Ausgang der Werbung baute der Ritter aber drei Schlösser. Das Erste in den Hain, wo das Lanzenstechen stattgefunden hatte, das nannte er Lanzenhain. Das Zweite an den Ort, wo der eine der beiden Sieger unter dem schweren Stein tot zu Boden gefallen war, das nannte er Ripfeld. Und das Dritte da, wo der zweite der Sieger erlegen war, das hieß er nach dessen letzten Worten Herbstein. Er selbst lebte auch nicht lange mehr, sondern starb bald vor Kummer.

Quellen:


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