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Der gefestigte Grundstein
Einem Müller an der Haun beschädigten hohes Wasser und Eisgang das Wehr in jedem Winter so sehr, dass er die Kosten für dessen Herstellung nicht mehr auftreiben konnte.
Rat- und trostlos darüber stand er eines Tages am Wehr, als ein Trunkenbold an ihn herantrat, ihm seinen Rat anbot und versprach, das Wehr so fest zu machen, dass es nie wieder brechen werde, nur müsse der Müller ihn gut bezahlen.
Dessen war der Mann zufrieden und der Trunkenbold sprach: »Verschaffe uns nur einen Knaben. Den müssen wir lebendig unter den Grundstein eingraben und ich stehe dir für die Haltbarkeit des Wehrs. Den Müller schauderte, doch als der andere sich erbot, gegen fünfzehn Metzen Grütze einen Knaben zu liefern, da schlug er ein. Und sie gruben sogleich das Grab. Vergebens wimmerte das Kind am anderen Tag. Die beiden stießen es in die Grube und warfen sie mit Steinen zu und bald stand das Wehr fertig da. Dem Müller aber nagte das Gewissen so sehr, dass er hinsiechte und starb, nachdem man den Trunkenbold vorher schon als Leiche aus der Haun gezogen hatte. Seitdem geht der Müller um und sucht die Vorübergehenden in den Fluss zu ziehen.
Jedes Jahr muss er wenigstens einen herein locken. Meist sind das auch Trunkenbolde, denn auf diese hat er es abgesehen, weil ein solcher ihn in sein Unglück gestürzt hat.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Leipzig, 1853
