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Schatz heben
In einer Mühle bei Niederbeerbach brannte oft auf dem Hof ein Feuerchen, sodass kein Zweifel blieb, es müsse ein Schatz da vergraben sein. Man ließ einen Schatzgräber kommen und der sprach, er bedürfe, um den Schatz zu heben, zwölf kühner und unerschrockener, kräftiger Männer. Diese fanden sich und er stellte sie am folgenden Abend um die Stelle herum in einem Kreis auf, befahl ihnen kein Wort zu sprechen, sich nicht von der Stelle zu rühren und ja beileibe keine Furcht zu haben, möge nun kommen, was da wolle. Alsdann ging er in die Mühle und begann seine Beschwörungen.
Bald flog das Hoftor auf und es fuhr ein Heuwagen herein, der hochbeladen war, aber nur ein Rad hatte, sodass es jeden Augenblick schien, er falle um. Er fuhr auf die zwölf Männer zu, und als sie so starr dastanden, hart an ihnen vorbei, aber sie ließen sich nicht schrecken und hielten aus.
Darauf kam eine andere Erscheinung, die noch viel gefährlicher aussah. Man wusste sie mir nicht mehr zu nennen. Aber die Männer ließen sich auch da nicht irremachen.
Endlich sprang der Teufel selbst in den Hof und rief: »Ihr wollt den Schatz nehmen, ihr habt recht, aber dafür muss ich einem von euch den Hals umdrehen.« Da liefen sie aber alle Zwölf, was sie konnten, der in die Mühle, der in die Scheune, jener in den Stall und verkrochen sich, während der Teufel ein Hohngelächter anschlug, denn nun versank der Schatz tiefer als er vorher gelegen hatte und alle Mühe, ihn zu heben, war umsonst.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Leipzig, 1853
