<<< vorherige Sage | Hessische Sagen | nächste Sage >>>
Geist beraubt
In einer Dorfkirche zeigten sich einstmals weiße Geister, die hatten Nachtmützen auf. Des Küsters Magd, die in der Kirche um acht Uhr zu läuten hatte, erzählte davon in der Schenke, und als sie sich so mutig stellte, boten ihr die Gäste Geld, wenn sie einem der Geister seine Kappe vom Kopf nähme. Den anderen Abend um acht Uhr sah sie in der Kirche einen weißen Mann an der Treppe stehen, die unter die Empore führte, dem entriss sie seine Mütze und eilte damit zur Schenke zurück. Kaum aber hatte sie den Gästen die Kappe gezeigt, so klopfte es auch schon am Fenster und der Geist guckte herein und sagte: »Gibst du mir meine Kappe nicht wieder, so brech’ ich euch allen den Hals.«
Voll Angst gingen sie zur Kirche und die Magd warf die Kappe zur Tür hinein und sagte: »Da hast du sie!«
Aber der Geist antwortete: »So will ich sie nicht, du musst mir sie selbst wieder aufsetzen.«
Da ging das Mädchen mit Zittern und Zagen hinein, doch war sie kaum drinnen, als der Geist sie packte, an den Wänden herumschleuderte und in Stücke zerriss.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Leipzig, 1853
