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sagen:hsw141

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Die zwei Tauben

In dem Fuldaer Land hausten seit Jahren zwei gefürchtete Raubmörder, welche ihr schreckliches Gewerbe um so ungestörter trieben, da sie sich unsichtbar machen konnten. Wenn die Häscher sie gefangen zu haben vermeinten, fanden sie statt ihrer nur zwei Büschel Stroh. Endlich traf die Gnade ihr Herz und sie beschlossen, in sich zu gehen und sich dem Gericht zu stellen. Unterwegs begegnete ihnen eine Frau, welche sie erkannte und auf den Knien sie bat, ihr das Leben zu lassen. Da sprach der Eine: »Fürchte nichts von uns, was wir von dir haben wollen, wirst du uns gern geben. Schließ uns alle Tage in dein Gebet ein, denn wir geben zum Richter, um uns ihm zu auszuliefern. Hörst du, dass wir hingerichtet werden, dann komm zum Hochgericht und sieh zu, was unsere Seelen machen.«

Gern versprach die Frau alles und hielt auch treu Wort, betete jeden Tag für die Mörder, und als sie vernahm, dass dieselben sterben sollten, da eilte sie an das Hochgericht. Kaum hatte aber der Henker dort getan, was seines Amtes war, da sah die Frau, wie von den Leichnamen sich zwei schneeweiße Tauben erhoben, welche im Kreis um sie herumzogen und sich alsdann gen Himmel schwangen, wo sie verschwanden. So erkannte die Frau, dass die Mörder Gnade gefunden hatten vor Gott, vor dem keine Sünde so groß ist, dass eine aufrichtige Reue sie nicht tilgte.

Quellen:


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