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sagen:hsw137

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Das jammernde Irrlicht

Ein Jägerbursche sah jeden Abend, wenn er nach Hause ging, ein Irrlicht, das folgte ihm auf seinem ganzen Weg und flehte mit jammernder Stimme um Erbarmung, weil er zu seiner Erlösung ausersehen sei. Aber der Jäger war ein rauer Geselle und achtete nicht nur nicht auf das Flehen des Geistes, sondern verspottete und verhöhnte ihn noch gar. An einem recht kalten und dunklen Winterabend bat der Geist ihn dringender und liebender, als je vorher. Zürnend über das Klagen und fortgesetzte Jammern griff der Jäger zur Büchse, spannte den Hahn und ein Schuss knallte durch die Nacht. Zugleich aber scholl, den Schuss übertönend, ein furchtbarer Klageruf, und das Irrlicht war verschwunden. Den Jäger ergriff ein eiskalter Schauer, er eilte nach Hause, wie gepeitscht von unsichtbaren Händen, matt und kraftlos kam er an und warf sich auf sein Bett. Am folgenden Morgen fand man ihn kalt und tot.

Quellen:


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