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Wie einmal der Teufel von einem Hessen geprellt wurde
Ein Mann, dem es schlecht ging, schlich trübselig durch den Wald und dachte mehr ans Sterben, als ans Leben. Da trat ein grüner Jäger auf ihn zu und fragte ihn, was ihm fehle.
»Mein Haus und Hof sind abgebrannt«, antwortete der Mann, »und ich kann sie nicht wieder aufbauen, denn ich habe kein Geld und ohne Geld arbeitet keiner für mich. Meine Äcker müssen gepflügt, geeggt und gesät werden, und alle meine Knechte haben mich verlassen.«
»Wenn’s nur das ist«, sprach der Jäger, »dem kann abgeholfen werden. Ich will dir dienen, wenn du mir nur immer Arbeit gibst. Hast du aber keine für mich, dann bist du mein. Willst du das?«
Der Mann dachte, Arbeit will ich schon immer für dich haben, daran soll es nicht fehlen, und ging den Vertrag ein. Das Erste, was er dem Fremden, der niemand als der böse Feind war, zu bauen aufgab, war natürlich das abgebrannte Haus. Aber das machte diesem nicht lange Arbeit, es stand schon am folgenden Morgen da.
»Nun ackere und egge meine Äcker«, sagte der Mann, dem jetzt schon ein bisschen heiß wurde. Und am folgenden Morgen war alles Land in der schönsten Ordnung.
Und der Böse sagte lachend: »Wo ist mehr Arbeit?«
»Baue mir eine Straße bis zur Stadt«, sagte der Mann, dem der Angstschweiß in dicken Tropfen auf die Stirn trat, denn er sah wohl ein, wie leichtsinnig er gehandelt hatte, schlich auch den ganzen Tag trüb und finster umher. Das sah seine Frau und fragte ihn, was ihm denn jetzt noch fehle, da er ja alles schöner besitze, als vor seinem Unglück. Er wollte anfangs nicht mit der Sprache heraus. Endlich sagte er ihr alles und verschwieg ihr nicht, dass er nicht manchen Tag mehr zu leben habe, weil der Böse alle aufgetragene Arbeit so gar schnell fertig bringe. Da lachte sie, sprach, da sei leicht zu helfen und gab ihm einen so guten Rat, dass er wieder ganz heiter wurde.
Am folgenden Morgen kam der Böse wieder und fragte hohnlachend: »Wo ist mehr Arbeit?«
»Komm mit mir«, sprach der Mann und ging mit ihm auf einen Sandbuckel, nahe bei seinem Haus. »Das Seil am Brunnen ist faul«, sprach er dort, »drehe mir aus dem Sand ein Seil, welches meinen Kindeskindern noch aushält.«
»Das hat dir ein anderer geraten, der klüger ist als du«, rief der Böse wütend und verschwand, während der Bauer ihn herzlich auslachte.
Quellen:
- Johannes Wilhelm Wolf, Hessische Sagen, Leipzig, 1853
