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sagen:hsw121

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Schwarze Kunst

Ein Bauer auf einem Hofe bei Darmstadt hatte einen Knecht, der fuhr eines Tages mit ihm in die Stadt. Unterwegs kamen sie an einen Wildzaun und sahen fünf Hirsche herumspringen. Das war nämlich in der guten alten Zeit, wo es noch lebendige Hirsche in den Wäldern gab. Jetzt sieht man nur noch ausgestopfte in Darmstadt im Schloss.

Der Knecht fragte: »Sollen wir uns nicht einen Hirsch mitnehmen?«

»Ja, können wir«, antwortete der Bauer. »Frag erst, ob die Hirsche stillhalten, bis du sie fängst.«

»Nun gut, wenn sie fett sind, lade ich einen auf«, sagte der Knecht und trat zu den Hirschen.

Da blieben die Tiere wie festgebannt stehen.

Der Knecht fühlte sie an und rief dem Bauern zu: »Nein, heute lass ich sie laufen, sie sind nur Haut und Knochen.«

»Du verstehst mehr als ich«, sagte der Bauer, als der Knecht zurückkam, aber der Mann schüttelte doch den Kopf dazu.

Zu Hause bat der Knecht abends den Schäfer, er möge bei ihm schlafen. Das geschah, aber der Schäfer schlief nicht, denn der Knecht war ihm unheimlich geworden durch das, was der Bauer beim Essen von den Hirschen erzählt hatte. Gegen zwölf Uhr klopfte es an die Tür des Stalles, worin sie schliefen. Sogleich sprang der Knecht aus dem Bett, öffnete die Tür ein wenig und warf einen seiner Stiefel hinaus. Dann legte er sich wieder nieder. Eine halbe Stunde darauf klopfte es abermals. Da warf der Knecht seinen anderen Stiefel hinaus und kroch wieder ins Bett. Gleich vor zwölf klopfte es zum dritten Mal. Da tat der Knecht einen tiefen Seufzer und ging selbst hinaus. Zugleich wurden die Pferde wild und stampften, als ob die Mahr sie ritte, sodass dem Schäfer die Haare zu Berge standen. Der Knecht kam dieses Mal nicht zurück. Morgens erzählte der Schäfer dem Bauern alles. Man suchte lange vergebens nach dem Knecht, bis man ihn endlich mit gebrochenem Genick in einem Weiher liegen fand.

Quellen:


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